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23. September 2017
Pfarr-Chronik
© Hochwürden beim Lesen der Pfarr-Chronik

PFARR CHRONIK

 

ST. KATHARINA

LANGENZERSDORF

 

 

Die Pfarrkirche St. Katharina steht etwas erhöht, weithin sichtbar durch ihren wunderschönen barockisierten Turm. Die vergleichende Geschichtsforschung nimmt an, dass schon vor tausenden Jahren in unmittelbarer Nähe eine Kultstätte vorgeschichtlicher Bewohner hätte sein können, fand man doch nicht weit davon in der Burleiten eine weibliche Kultfigur, etwa 6000 Jahre alt, die Venus von Langenzersdorf.

 

Die Kirche und der nebenliegende Pfarrhof dürften die ersten „festen“ Häuser in dem Ort am Fuße des Bisamberges gewesen sein. Das lässt darauf schließen, dass der heutige Pfarrhof damals Sitz einer edlen Familie war. Ein nicht mehr nennbares niederes Adelsgeschlecht – wenn auch einzelne Namen durch Zeugenschaft bekannt – hat die Grundlage für eine Hallenkirche gelegt. Die 80cm dicken Mauern, die heute zu den Seitenschiffen durchbrochen sind, zeugen auch von der Funktion dieses Gotteshauses als Wehrkirche. Daran, dass hier in der Nähe der Kirche das Haus vornehmer und freier Herren war, erinnern die Namen Enco, später ein Gnane von Enzinsdorf und sein Bruder Adalbero. Davon zeugen auch zwei Grabplatten, die man heute im Presbyterium der Kirche bewundern kann. Es sind Grabplatten aus hiesigem Sandstein mit Hügelkreuzen. Auf beiden sieht man noch Äxte, die als Rechtssymbol Besitzender gedeutet werden können.

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An der südlichen Mauer der Kirche wurde eine Grabkapelle angebaut, in der die Edlen bestattet wurden. Da es zu dieser Zeit noch nicht üblich war, Grabplatten zu beschriften (Analphabetismus) kann man die Grabplatten nicht zuordnen. Diese ehemalige Grabkapelle ist das heutige Südschiff mit dem Marienaltar.

 

Die Menschen von Langenzersdorf wurden damals seelsorglich von der Pfarre Korneuburg aus betreut. Korneuburg war bereits eine eigene Pfarre, die mit Priestern aus dem Stift Klosterneuburg besetzt wurde. Das heißt, dass auch schon  im 12. und 13.Jahrhundert  Klosterneuburger Chorherren nach Langenzersdorf  geschickt wurden.

 

Herr Coloman und seine Frau Jaeutt (Jutta) von Enzersdorf ließen an der nördlichen Seite der Kirche eine Kapelle zu Ehren des hl. Leonhard (Viehpatron) bauen (1315 – 1320) , das heutige nördliche Seitenschiff. Im Jahre 1326 wurde St. Katharina eine eigenständige Pfarre unabhängig von Korneuburg. Pfarrer Ulrich wird als Zeuge genannt. Von ihm existiert noch sein Siegel.

 

Zu dieser Zeit wurde auch die gotische Apsis, östlicher Teil des Mittelschiffes und Altarraum der Kirche sowie die gotische Eingangshalle im Westen mit zwei gegenüberliegenden Türen nach Süden und Norden gebaut. Die dicken Mauern der Saalkirche wurden zu den Seitenkapellen durch Rundbögen durchbrochen, so dass schon damals die Grundstruktur der heutigen Kirche erreicht wurde. Die nun schon sehr umfangreich ausgestattete Pfarre und die kontinuierliche Betreuung vom Stift Klosterneuburg her, brachte es mit sich, dass Papst Bonifaz IX. in der Bulle vom 22. Dezember 1402 festlegte, dass die Pfarre Langenzersdorf direkt dem Stift Klosterneuburg inkorporiert  und eine mit allen Rechten ausgestattete Stiftspfarre ist. – nun mehr als 600 Jahre beim Stift. 

 

Die Kirche war im Laufe der Zeiten den verschiedensten Katastrophen ausgesetzt. Wiederaufbau und neue Zerstörungen folgten oft unmittelbar aufeinander. Matthias Corvinus besetzte Korneuburg. Bei den Kämpfen brannte 1477 die Kirche von Langenzersdorf. Ebenso passierte es im dreißigjährigen Krieg durch ungarische Soldaten. Ganz schlimm erging es der Kirche durch die Türkenbelagerung von 1683.

 

1689 begann für unsere Kirche eine neue Zeit. Die Zerstörungen der Kirche waren so groß, so dass der Propst des Stiftes die Kirche erneuern ließ. Damit zog das Zeitalter des Barock in die Kirche ein. Das Stift Klosterneuburg strahlte mit seinen im Stift beschäftigten Künstlern auch auf die Stiftspfarren, wie Langenzersdorf aus, die bedeutende Kunstwerke schufen. Leider wurden die ersten Bemühungen weitgehend wieder zerstört. 1709 ging über dem Bisamberg ein solch wütendes Unwetter nieder, so dass sich Schlammmassen, Steine und Bäume den Berg herunterwälzten und knapp unter der Kirche eine Staumauer bildete und das Wasser 1,65m vom heutigen Niveau hoch in der Kirche stand. Nach Wiederherstellung kam 1749 ein starkes Erdbeben. Die Decke der Kirche stürzte ein, die Altäre und die Kanzel wurden zerstört. Das Altarbild, das die Hinrichtung der Hl. Katharina darstellte und  von Johann Georg Schmid (dem "Wiener Schmid") stammte, hing in Fetzen aus dem Rahmen.

 

Erst von da an konnte das Innere der Kirche das endgültige barocke Aussehen entfalten. Schon bei der ersten Barockisierungsphase schuf der bekannte Kirchenarchitekt Matthias Steinl den genialen Hochaltar. Steinl arbeitete zu dieser Zeit in Klosterneuburg. Nur so ist sein Wirken in Langenzersdorf zu verstehen. Das zerstörte Hochaltarbild des „Wiener Schmid“ wurde durch eine Kopie ersetzt.

 

Oberhalb des Tabernakels ist ein Mariahilf – Bild in einem wunderschönen Rahmen, was darauf hinweist, dass die Kirche einmal eine Wallfahrtskirche war. Im nördlichen Seitenschiff befindet sich der Barbaraaltar. Das Altarbild zeigt die Hinrichtung der Hl. Barbara (unsigniert). Links steht die Statue des Hl. Sebastian und rechts die des Hl. Rochus. Die Zusammenstellung der Heiligen zeigt an, dass der Altar besonders dem Gedanken des Sterbens (Barbara) und der Hilfe bei Krankheiten, vor allem der Pest, (Sebastian, Rochus) gewidmet ist. Auf dem Altartisch steht ein Reliquienschrein, in dem ein Flachrelief des Hl. Leopold postiert ist, das sicherlich erst später dazugekommen ist.

 

Im südlichen Seitenschiff steht der Marienaltar mit einer spätgotischen oder frühbarocken Madonna. Dieser Altar bildet den gesamten ostseitigen Abschluss des südlichen Seitenschiffes. Als Seitenfiguren finden sich die Eltern Mariens – Joachim und Anna – sowie die Figuren des Hl. Markgrafen Leopold III. und seiner Frau Agnes, der Tochter des deutschen Kaisers Heinrich, die aber nie heilig gesprochen wurde. Auch hier steht auf dem Altartisch ein barocker Reliquienschrein in dem eine Monstranz mit einem Knöchelchen der Hl.Katharina steht. An der Westseite des Südschiffes hängt ein großes Bild mit der Aufnahme der Hl. Katharina in den Himmel. Dieses Bild wurde bislang dem italienischen Künstler Annibale Carracci (1560 – 1609) zugeschrieben. Neueren Erkenntnissen zu Folge stammt es aber aus der Schule des Meisters.

 

An der Längsseite des nördlichen Seitenschiffes ist noch der Kreuzaltar zu nennen, dessen Figuren eindeutig auf das Leiden Christi und ein Heiliges Grab während der Osterliturgie hinweisen.

Die Kanzel ist eine der letzten Einrichtungen nach den Verwüstungen. Es ist eine typische, prächtige, spätbarocke Kanzel. Am Kanzelkorb sind an den äußeren Enden zwei Tierköpfe angebracht: Der Stierkopf steht für den Evangelisten Lukas, der Löwe wird dem hl. Markus zugeordnet. Vorderseitig sitzen zwei Engel. Der links sitzende Engel hält die Tafel mit den zehn Geboten. Der Rechtssitzende hält eine Tafel auf der in lateinischen Worten steht: „Wer aus Gott ist, hört Gottes Wort.“ In der Mitte des Kanzelkorbes leuchtet ein vergoldetes Relief. Es stellt den hl. Hieronymus in der Wüste dar, einen Löwen und einen Kardinalshut zu seinen Füßen. Der hl. Hieronymus verzichtete in Rom auf alle kirchlichen Würden und zog sich in die Wüste zurück, wo er sich mit dem Urtext der Bibel beschäftigte. Hieronymus hat das Alte Testament aus dem Hebräischen und dem Griechischen ins Lateinische und das Neue Testament vom Griechischen in das Lateinische übersetzt (Vulgata). Bekrönt wird die Kanzel durch einen im gleichen Stil gestalteten Schalldeckel auf dem der Gute Hirte steht.

 

Am Pfeiler gegenüber der Kanzel steht auf einer Säule eine original gotische Büste des Schmerzensmannes. Früher befand sich diese gotische Halbfigur außen beim kleinen Turm. Heute steht eine Kopie außen beim vermauerten Südeingang.

 

1708 wurde an das südliche Seitenschiff noch die barocke Taufkapelle gebaut, in der die „Schwarze Madonna von Maria Einsiedeln steht und verehrt wird.

 

Seit Ostern 2006 besitzt die Kirche einen neuen Kreuzweg. Holzgeschnitzte, färbige Figuren stellen die Szenen des Kreuzweges auf das Wesentliche reduziert dar. Sie stammen aus Italien und sind neueren Datums.

 

 

Literatur: Schwarzmann Franz Karl / St. Katharina, Pfarrkirche zu Langenzersdorf, 600 Jahre beim Stift Klosterneuburg. Herausgegeben vom Pfarramt Langenzersdorf 2002. Druckerei Bösmüller Stockerau

ISBN – Nr. 3 – 9501597 – 0 -3

(ueh)




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